Im Folgenden möchte ich in aller Kürze zwei meiner Lieblingsrouten durchs Burgenland vorstellen. Wobei es sich eher um „Baukästen“ handelt, die man je nach Wetter,
Windrichtung oder nach Belieben kombinieren kann.
1. Durch den Seewinkel (Nordburgenland, ev. Ungarn)
Wenn es mich im Februar schon ordentlich in den Beinen juckt und dann das Thermometer plötzlich auf 10 °C steigt und die Sonne scheint, zieht es mich manchmal in
den Seewinkel. Es ist dort flach, einsam, abwechslungsreich und man kann ordentlich auf die Tube drücken!
Wer noch nie im Seewinkel geradelt ist, fährt zunächst einmal die Standard-Route von Pamhagen über Illmitz, die „Hölle“ und Podersdorf nach Weiden, Neusiedl oder
Jois. Wer auf der Suche nach neuen Routen ist, setzt sich vor einen großen Bildschirm, geht auf openstreetmap.org und schaut sich folgende Alternativen an:
Die drei von mir hauptsächlich frequentierten Bahnstationen im Seewinkel sind die drei südlichsten – Pamhagen, Wallern und Sankt Andrä am Zicksee. Von hier aus
verschlägt es mich entweder zu den kleinen Seen und Lacken in der Nähe des Neusiedler Sees, an den Einser-Kanal oder auf die Rennstrecken südlich von Andau bzw. Tadten. Meistens kombiniere ich
alle drei.
a) Die kleinen Seen und Lacken in der Nähe des Neusiedler Sees:
Meine Favoriten sind der weißlich gefärbte Obere Stinkersee nächst der „Hölle“ zwischen Illmitz und Podersdorf und der außerhalb der Saison ausgesprochen einsame
Badesee Apetlon. Aber auch der Darscho, die Lange Lacke und der Zicksee sind lohnenswerte Ziele. Schau dir einfach so viele „Lacken“ an, wie du kannst ;-) Manche davon, wie der Zicksee, sind von
Zeit zu Zeit völlig ausgetrocknet.
b) Der Einser-Kanal:
Der Einser-Kanal befindet sich vollständig in Ungarn, die österreichische Grenze verläuft zumeist wenige Meter nördlich des Kanals. Die Südseite des Kanals ist eine
herrliche Radroute. Wer schon bei Pamhagen zum Kanal stößt, muss an der Ikva-Mündung rund fünf Kilometer Umweg fahren, es gibt hier keine Brücke. Empfehlenswerter ist es, in Wallern auszusteigen
und von dort in südsüdöstlicher Richtung zum Kanal zu fahren („Huldenweg“). Nach Erreichen des Kanals fährt man etwas mehr als einen Kilometer Richtung Osten, wo man über die neu erbaute Brücke
auf die schönere Südseite wechseln kann. Bei der geschichtsträchtigen Brücke von Andau geht es zurück nach Österreich.
Ein interessanter Umweg führt nach Fertöujlak: Ungefähr vier Kilometer nordwestlich von Pamhagen reicht ein Zipfel ungarischen Staatsgebiets bis an die
Apetlonerstraße heran. Dort zweigt ein unscheinbarer, schmaler Radweg nach Fertöujlak ab. Ich persönlich habe südöstlich des Dorfes ein paar (Eisenbahn-) Lost Places erkundet (Achtung: Die
südöstlich von Fertöujlak gelegenen Feldwege sind mit dem Fahrrad teils nur schwer befahrbar), ansonsten bietet sich eine Fahrt entlang des Einser-Kanals (Südseite) und in den weiter östlich
gelegenen Nationalpark Fertö-Hansag mit seinen Wäldern und endlosen Forststraßen an (Achtung: An der Ikva-Mündung wartet ein fünf Kilometer langer Umweg, einfacher ist es, südlich von Pamhagen
auf die Straße nach Tözeggyarmajor zu wechseln und erst dort wieder zum Kanal abzuzweigen). Bei Wallern oder Andau kommt man anschließend zurück nach Österreich.
c) Die Rennstrecken bei Tadten und Andau
Zwischen der an der Staatsgrenze gelegenen Brücke von Andau und der Ortschaft selbst verläuft ein Güterweg, der auf den ersten sieben Kilometern schnurgerade und
mit Stand 2025 perfekt asphaltiert ist – die schnellste Fahrrad-Rennstrecke, die ich kenne! Westlich davon verläuft ein ebenso gerader Güterweg nach Tadten. Hier gibt es das eine oder andere
Schlagloch, dafür ist hier (vor allem außerhalb der Saison) noch einmal deutlich weniger (bzw. überhaupt nichts) los. In Andau lädt der Pusztasee (ein Badesee) zum Verweilen ein, diverse Routen
führen ins nördlichste Burgenland, nach Ungarn oder zurück zur Eisenbahn nach St. Andrä am Zicksee.
2. Von Deutschkreutz an den Neusiedler See (Mittel- und Nordburgenland & Ungarn)
Im Mittelburgenland gibt es genau eine in Betrieb befindliche Bahnstation, nämlich Deutschkreutz. Was könnte naheliegender sein, als von hier aus durch den westlich
von Sopron gelegenen ungarischen Zipfel an den Neusiedler See zu radeln? Geh auf openstreetmap.org und schau dir das an:
Von Deutschkreutz geht es südlich der Hauptstraße über Girmerstraße, Mühlweg, Unterpetersdorf und den Güterweg Haschendorf nach Neckenmarkt. Weiter fahren wir über
die Rathausgasse und die Lange Zeile zum „Güterweg Neckenmarkt-Landesstraße“. Nach etwas mehr als einem Kilometer zweigt von diesem eine schmale Straße nach Ritzing ab. Hinter Ritzing erwarten
uns (bei Badebedarf) der Sonnensee und die Siedlung Helenenschacht. Die ersten 250 Meter auf ungarischem Gebiet arten je nach Wetter in eine kleine Schlammschlacht aus, danach ist die schmale
Straße wieder asphaltiert. Wir biegen links ab (bzw. bin ich halt links abgebogen^^) und erreichen nach wenigen Minuten die alte Bergbausiedlung Ujhermes.
Relativ bald geht es nun steil bergab, einige kurze Straßenstücke sind witterungsabhängig stark verschlammt. An der einzigen asphaltierten Kreuzung weit und breit
geht es eigentlich gerade weiter, ich hab aber folgenden kleinen Umweg ans Ende des ungarischen Zipfels und nach Österreich gemacht:
Wenn man an der Kreuzung links abbiegt, gelangt man wenige hundert Meter vor dem Straßenende und wenige hundert Meter vor der österreichischen Grenze zu einer
Kreuzung mit mehreren Waldwegen. Das (zumeist wohl trockene) Bachbett ist hier einige Meter tief eingeschnitten. Man folgt dem Bachbett auf der nordöstlichen Seite (überquert es also nicht).
Dieser kurze Wegabschnitt ist mit dem Fahrrad nicht befahrbar und neigt ebenfalls dazu, völlig verschlammt zu sein. Nach wenigen Minuten erreicht man eine Wegkreuzung und sieht im Hintergrund
schon den ersten Grenzstein leuchten. Man zweigt links auf einen schöneren, theoretisch auch befahrbaren Weg ab und erreicht (schiebend) nach zehn Minuten den Herrentisch an der österreichischen
Grenze. Ich habe hier kehrtgemacht und bin zurück nach Ungarn, eine Alternative ist die Forststraße nach Sieggraben (auf der man aber eigentlich nicht radeln darf).
Zurück in Ungarn ist es von der bereits erwähnten kleinen asphaltierten Kreuzung noch ungefähr ein Kilometer bis zu einem Teich namens Feher-uti-to. Nach dem Ende
des Teichs zweigt links ein breiter, im ersten Abschnitt zeitweise stark verschlammter Waldweg ab. Schau dir diesen Abschnitt genau an bzw. fotografiere auf openstreetmap.org deinen Bildschirm
ab: Viele Wege führen hier ans Ziel, am sinnvollsten ist es aber, einfach diesem breiten Weg zu folgen. Am Ende eines großen Halbkreises (etwa 600 Meter Luftlinie von der Grenze entfernt) geht es
nach links und gleich wieder nach rechts (Alternativ zu diesem Waldweg sollte unterhalb auch der Wiesenrand befahrbar sein), und dann noch wenige hundert Meter in östlicher Richtung die Grenze
entlang. Ein winziger, grenzüberschreitender Trampelpfad verbindet dich hier mit der Weinberggasse im österreichischen Loipersbach. Wer heute schon genug Wald gesehen hat, kann alternativ die
Straße von Agfalva nach Schattendorf nehmen.
In Loipersbach gibt es einen Bahnhof (Loipersbach-Schattendorf), rund fünf Kilometer weiter gibt es einen anderen (Baumgarten-Schattendorf). Vom Bahnhof
Baumgarten-Schattendorf erreicht man mit dem Zug u.a. die nördlicher gelegenen Seeorte Breitenbrunn, Jois und Neusiedl, sofern man dort den Abend ausklingen lassen möchte. Rust, Mörbisch oder
Eisenstadt wären einige andere mögliche Ziele.
Von Deutschkreutz zum Bahnhof Baumgarten-Schattendorf sind es inklusive Umweg zum Herrentisch auf der von mir beschriebenen Route rund 45 Kilometer (37 km ohne
Umweg zum Herrentisch) und eine überschaubare Zahl an Höhenmetern. Etwas steiler wird es vor allem im Bereich der Siedlung Helenenschacht.
3. Im Südburgenland
Belassen wir es bei einigen Stichwörtern: In guter Erinnerung geblieben sind mir eine Radfahrt ins weit abseits gelegene Luising, eine Mondscheinfahrt über die
Landstraße bei Mogersdorf und die Fahrt durch den Kemeter Wald. Auf der ungarischen Seite der Grenze hat es mir in Köszeg gut gefallen, auf der oststeirischen Seite z.B. zwischen Burgau (am –
teils sehr steilen – Eurovelo 9 gelegen) und Wagerberg. Von Wagerberg zur Therme in Bad Waltersdorf sind es nur ein paar hundert Meter. Eine Zugverbindung gibt es hier nur ganz im Süden
(Jennersdorf oder Mogersdorf) und in der an das Südburgenland angrenzenden Oststeiermark (z.B. Hartberg, Bad Waltersdorf, Bad Blumau, Fürstenfeld). Auch Ungarn ist natürlich stets in
Reichweite.
Der Einser-Kanal bei Andau

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